Galerie Gilla Lörcher
Contemporary Art

Susanne Jung | occurence of color | 06.12.2014.- 07.02.2015

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Susanne Jung: occurence of color
Ausstellungsdauer: 06.12.2014 – 07.02. 2015
Galerie Gilla Lörcher | Contemporary Art
Mi - Sa 13.00 – 18.00 Uhr

Kann man Düfte sehen - kann man Klänge malen


Streifen – quer oder längs – in subtilen Farbabfolgen angelegt, die sich überstrahlen, verschieben in immer neuen Abwandlungen die Parameter der Wahrnehmung. Vermeintlich fest verortete Farbflächen öffnen sich nach beiden Seiten – hintergründige Tiefe trifft auf vordergründiges Leuchten und umgekehrt, Horizontale und Vertikale, Ausbreitung und Ausdehnung durchkreuzen sich. Sind diese Bilder durchsichtig oder durchscheinend, soll sich der Blick nach innen oder nach außen orientieren? Das Sehfeld ist vibrierendes Gefüge distinkter Werte und Wertigkeiten.
Daneben stehen scheinbar monochrome Farbfelder, die in sich verschwimmen. Lasuren legen sich übereinander, decken und enthüllen doch, was sie verbergen. Matt schimmernd durchleuchten sie die Fläche, in der sie wie farbige Schleier treiben.
Kreisformen und -Fragmente, die sich in sanften Gradationen aufzulösen oder zu verdichten scheinen, umspielen mit Licht- und Schattenwürfen der gefalteten Papiere, die als Bildträger fungieren, die Grauzonen zwischen Schwarz und Weiß. Unterschiede und Unterscheidungen vereinen sich in eins gesetzt in der Form, die sie gleichzeitig in Singularitäten auflösen, die klar unterscheidbar nebeneinander stehen, bevor sich die Grenzen erneut in Übergänge und Passagen aufzulösen beginnen. Trotz ihrer klaren architektonischen Struktur sind die Bildgefüge von Susanne Jung höchst komplex. In ihnen wird die ganze Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit von Farbe aus dem Material heraus getrieben – Fläche und Raum, Licht und Materie, Trennung und Verbindung, Bruch und Übergang. Warm und kalt, leuchtend und in sich verschlossen, matt und glänzend, transparent und opak entfaltet Farbe wie selbstverständlich und ohne jedwede Attitüde ein Spektrum von unendlichen Varianten und Variationen, die sowohl nebeneinander als auch ineinander stehen.
Gesättigte Gegenwart verwandelt sich in Allgegenwärtigkeit – diffus, offen und allgemein. Der Blick vermag nicht auf Distanz zu gehen, vielmehr wird er berührt und fort getragen vom Gegenwärtigen in einen Raum, der gleich einem ortlosen Ort in sich verschwebt.
Diese Bilder treffen in Gänze. Sie gleichen Berührungen, die vor lauter Empfindungen erbeben, Empfindungen, die keinen Ort haben, aber dennoch den Raum erfüllen – wie Klänge und Düfte, die einhüllen und umfangen, flüchtige Erinnerungsspuren, die sich umso nachhaltiger einprägen.

Text: Karin Stempel, Kunsthistorikerin
November 2014

Susanne Jung (Jahrgang 1964) studierte von 1994-1999 an der Hochschule der Künste Berlin und war in 2000 Meisterschülerin bei Frank Badur. In 1998 erhielt sie das NICA Stipendium (Hunter College, New York) und den Helmut-Thoma-Preis für Malerei. In 2000 wurde sie mit dem Meisterschülerpreis des Präsidenten der Hochschule der Künste Berlin und im gleichen Jahr mit dem Stipendium der Stiftung Kulturfonds, Berlin ausgezeichnet. 2014 erhielt sie das Residency-Stipendium in Mianyang, Sichuan (China). Ihre Arbeiten wurden u.a. ausgestellt in: Vasarely Museum (Sammlung Grauwinkel), Budapest (Ungarn); Kunstverein Glückstadt; Kunsthaus Ahrenshoop; Kunsthaus Potsdam; Stiftung Münchner Künstlerhaus; Verein für aktuelle Kunst, Oberhausen; pp projects Hamburg; Projektraum Berger Straße, Frankfurt a.M.; Galerie Weißer Elefant, Berlin; Galerie Nord, Berlin; Goethe Institut San Francisco (USA); Metaphor Gallery, New York (USA); TIMES SQUARE Gallery, New York (USA); Galerie Feurstein, Feldkirch; Galerie Evelyn Drewes, Hamburg; Galerie Gilla Lörcher I Contemporary Art, Berlin.


English:
Can one smell color – can one paint sound

Stripes – crossways and lengthways – laid down in subtle colour sequences, glow from within, continuously shifting the parameters of perception into new variations. Apparently fixed expanses of color open up to both sides – background depths meet foreground luminescences, and vice versa; horizontal and vertical, diffusion and extension, intersect with each other. Are these pictures transparent or translucent, should the gaze be oriented inwards or outwards? The visual field is a vibrating structure of distinct values and weights.
Alongside stand seemingly monochromatic fields that grow hazy. Glazes are layered upon one another, covering and nonetheless revealing what they obscure. Gleams shimmer faintly through the surface, floating like coloured veils.
Circular forms and fragments that seem to dissolve and compress in gentle gradations swirl light and shadow across the folded paper, which acts as a medium for the gray zones between black and white. Differences and fine distinctions melt together in the form, dissolving simultaneously into singularities that clearly stand next to each other, before the boundaries begin to dissolve again into new transitions and passages.
Despite their clear architectonic structures, Susanne Jung's pictorial textures are highly complex. In them the whole variety and contradictions of colour are teased out of the material – surface and space, light and matter, separation and juxtaposition, rupture and transition. Colours unfold warm and cold, luminous and hidden, dim and radiant, translucent and opaque, naturally and without any attitude, in a spectrum of infinite varieties and variations, standing within each other as well as next to each other.
Saturated presence transforms into omnipresence - diffuse, open and universal. The gaze cannot go into the distance, but is rather touched and transported from the present into a space that immediately floats away to a dislocated place. The observer meets these pictures in their entirety. They are like caresses that quake before sheer sensations, sensations that have no place but nonetheless fill the space – like sounds and smells that envelop and embrace, like fleeting memories that last all the longer.

Text: Karin Stempel, Kunsthistorikerin
Translation: Carlye Birkenkrähe

Susanne Jung: occurence of color
Ausstellungsdauer: 06.12.2014 – 07.02.2015
Galerie Gilla Lörcher I Contemporary Art
Mi – Sa 13:00-18:00 Uhr

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