Galerie Gilla Lörcher
Contemporary Art

Jürgen Eisenacher | diorama | 28.02. - 11.04.2009

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Press
Afrikaner im Boot

Mit Blick in ein großes, dunkles Auge beginnt Jürgen Eisenachers Serie großformatiger Zeichnungen (…), die die Verbindung zwischen Kolonialismus und seiner Geschichte mit dem aktuellen Phänomen der Migration zum Thema haben. Das (…) Auge, in dem sich wie ein Fingerzeig ein afrikanischer Affenbrotbaum spiegelt, ist der Auftakt einer Reise in die Vergangenheit der Kolonialherrschaft Afrikas, der Sklaverei und Unterdrückung.

Eisenachers Strategie ist es (…), bekannte und durch die Medien gängige Motive und Stereotypen zu verwerten, zu verfremden und damit uns „fremd werden“ zu lassen. (…)

Die Verbindung von Ornament und Motiv ist (…) ein Schlüssel zu allen (…) Bildern der Serie. Ob sich die Schlingen in den herunterhängenden Segeln des Sklavenschiffes in der Zeichnung „Schiff“ wiederholen, die Bewegung der Wasseroberfläche mit den sich windenden Bewegungen in „Afrikaner im Boot“ verbindet oder die Schlingen – wie in der letzten Zeichnung mit dem Titel „Händler II“- plötzlich nach oben zeigen und so die Figur wie eine Alpenlandschaft umrahmen: immer führt diese Verbindung zu einer bildlichen Verunsicherung und transportiert die prekäre Situation zwischen den „Afrikanern“ und ihrer (feindlichen) Umwelt.

Einen zusätzlichen Moment der Verunsicherung stellen die überzeichneten Gesichter der „schwarzen Männer“ dar. An die Comics von z.B. Hergés „Tim im Kongo“ erinnernd, begegnen uns hier „Fratzen“ (…), deren sich die Kolonialherren des 19. Jahrhunderts bedienten, um das Stereotyp des dummen, clownhaften, schwarzen „Wilden“ heraufzubeschwören. Gerade in der Zeichnung „Afrikaner im Boot“, die sich auf eine 2006 in der Presse publizierte Fotografie stützt, wird durch diese doppelte Maskierung der Männergesichter im Boot, der kausale Zusammenhang zwischen der Kolonialpolitik des 19. Jahrhunderts und der anhaltenden Flüchtlingsbewegung aus Afrika deutlich. (…) Die Vergangenheit holt uns ein: ihr Blick in unsere Richtung wirft uns auf eben dieses koloniale Erbe zurück.

Text: Änne Söll
(Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Künste und Medien, Universität Potsdam)